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Sonntag Aktuell 6. Juni 2004

75. „Freitag Nacht" im Werkhaus des Nationaltheaters

Nur zum Spaß

Mannheim. Vordergründig stimmt's ja. Es ist „ein Abend ohne Sinn und Verstand", wie Regisseur Winfried Sakai offen eingesteht. Aber wer hintergründigen Humor mag, für den ist es doch ein Abend, der Spaß macht -und das soll sie ja machen, die „Freitag Nacht" im Werkhaus des Natjonaltheaters, gerade die 75., die ein besonderes Jubiläum dieser besonderen Kunstform markiert.

75? Das hört sich wahnsinnig alt an, oder? Dabei zeigt doch gerade dieser Abend wie der, wie viele frische Ideen, wie viel Energie, den sind. Winfried Sakai, eigentlich Lehrer, dann zum Opernsänger und seit dem Jahr 2000 zum Mannheimer Ensemblemitglied avanciert und hier selbst in schweren Wagner-Rollen zu erleben, führt an diesem Abend Regle. Im Februar hat er schon einmal eine „Freitag Nacht" inszeniert und damit Kulturpolitik genüsslich parodiere, diesmal ist es „nur aus Spaß an der Freude".

„Krankenschwestern - oder die Kurförster vom Odenwald", so der Titel, lässt sich jetzt nicht gerade als Stück erkennen, auch wenn die Begegnung vagabundierender Förster und gelangweilter Krankenschwestern den Rahmen abgibt und zumindest in einem Fall unweigerlich ins Bett führt. Da stapfen zunächst vier Förster (Felizitas Luber, Susanne Scheffel, Julia Rothstein, Luise Weidner) zu einem Rap nach der Melodie vom „Jäger aus Kurpfalz" auf die Bühne, sind dann ein paar unterbeschäftigte, sich mehr um die eigene Schönheit als um Patienten sorgende Krankenschwestern zu bewundern (Thomas Busse, Uwe Sontowski, Markus Müller, Alexander O. Miller, Sanaolu Pram). Es folgt ein bisschen Klamauk, ein bisschen Parodie. Wenn Markus Müller, stellvertretender Intendant, in Rock und Pumps sowie mit Staubwedel versehen, „Ich brech' die Herzen der stolzesten Herren" singt, Luise Weidner mit Barbiepuppen spielt („Pack' die Badehose ein") oder Atelierchef Thomas Busse „Ich will keine Schokolade...", dann ist das einfach herrlich. Doch nicht nur Schlagerparodien, live von Raphael Haeger, Jens Knoop, Jochen Brenner, Jürgen Teil und Claudia Meyerer begleitet, gibt es. Schauspieler Gerhard Piske kommentiert dies alles im Stil eines Zeitungskritikers, mal mit allerlei Anspielungen auf Ikea-Eröff-nung und Intendantenwechsel, mal mit völlig verquastem Worthülsen und Satzgeklingel. Auch wenn zum Schluss ertönt „Im Leben geht mancher Schuss daneben" - der Abend erweist sich, wie der Beifall im vollbesetzten Werkhaus zeigt, als Volltreffer.

Anfangs hatte Thomas Kraus damit gar nicht gerechnet. Der künftige stellvertretende Schauspieldirektor fing 2001 als Assistent des Intendanten an, das Werkhaus zu beleben und auch die neue Reihe „Freitag Nacht" ins Leben zu rufen. „Das hat sich jetzt wirklich als feste Reihe etabliert, auch sein Publikum gefunden", freut sich Kraus. Die Idee war, hier das gesamte kreative Potenzial des Hauses zur Entfaltung zu bringen. „Viele Leute haben mehr Fähigkeiten als die, die sie direkt täglich einbringen können", so Kraus. Im Werkhaus können dann eben auch mal Opernsänger inszenieren, Mitarbeiter der Technik singen. Während anfänglich in erster Linie die Regieassistenten die Chance nutzten, kleine Produktionen ohne großen Druck auf die Bühne zu bringen und zu experimentieren, „hat das Ganze jetzt eine Eigendynamik bekommen", so Kraus: Aus dem ganzen Haus melden sich Mitarbeiter mit Ideen - auch wenn es keine extra Gagen für diese Abende gibt, es macht einfach Spaß, Mitwirkenden wie Zuschauern. pwr